Exkursion zum neuen Stadtquartier Dormagen-Horrem
Wie lassen sich bezahlbarer Wohnraum, architektonische Qualität, energetische Anforderungen und ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen miteinander verbinden? Welche Bauweisen sind dafür heute sinnvoll und welche müssen neu gedacht werden? Vor dem Hintergrund der eigenen planerischen Leitgedanken besuchten die Mitarbeitenden von Schmale Architekten am 24. April 2026 die Baustelle des neuen Stadtquartiers Dormagen-Horrem.
Der Rundgang bot Gelegenheit, die Entwurfsentscheidungen des Büros unmittelbar in ihrer baulichen Umsetzung zu betrachten. Für die Baugenossenschaft Dormagen eG entsteht hier ein neues Wohnquartier im Stadtteil Horrem im Westen von Dormagen, das sich durch eine klare architektonische Haltung der „Neuen Einfachheit“ auszeichnet und damit einen zeitgemäßen, reduzierten und zugleich hochwertigen Wohnungsbau exemplarisch umsetzt. Der erste Bauabschnitt umfasst vier Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 126 Wohnungen und rund 10.400 Quadratmetern Wohnfläche. Das neue Stadtquartier Dormagen-Horrem wurde von Schmale Architekten geplant und strategisch begleitet.
Neue Einfachheit als planerische Haltung beeinflussen das Stadtquartier Dormagen-Horren
Ein wesentlicher Ausgangspunkt des Entwurfs von Schmale Architekten ist das Prinzip der „Neuen Einfachheit“. Gemeint ist damit kein Verzicht auf architektonische Qualität, sondern eine bewusste Reduktion unnötiger konstruktiver und technischer Komplexität. Dabei ergänzt Suffizienz das Prinzip der Effizienz. Während Effizienz danach fragt, wie Ressourcen möglichst wirkungsvoll eingesetzt werden können, hinterfragt Suffizienz bereits den notwendigen Ressourceneinsatz selbst. Welche technischen Systeme sind tatsächlich erforderlich? Welche Konstruktionen lassen sich vereinfachen? Und wie können robuste, wirtschaftliche und langfristig nutzbare Gebäude entstehen?

„Wintergärten als Schallschutzelemente, der Ausbau von Fahrradstellplätzen, E-Mobilität, Photovoltaikanlagen und Luft-Wasser-Wärmepumpen, das alles trägt zum Nachhaltigkeitsgedanken des Quartiers bei“, erklärt Architekt Michael Müller. Das Stadtquartier Dormagen-Horrem versteht sich damit auch als Infragestellung gängiger Bauweisen. Standardisierte und vorgefertigte Bauelemente werden dort eingesetzt, wo sie Bauprozesse rationalisieren und eine hohe Ausführungsqualität ermöglichen. Die architektonische Qualität entsteht aus der präzisen Abstimmung von Konstruktion, Grundriss, Material und räumlicher Organisation. „Mies van der Rohe hat mit ‚Less is more‘ die Reduktion zu einem architektonischen Prinzip gemacht. Für den heutigen Wohnungsbau würden wir diesen Gedanken weiterführen: Weniger Kompliziertheit, mehr Architektur. Es geht darum, bewusster zu entscheiden, was ein Gebäude tatsächlich braucht. Gute Architektur entsteht dort, wo Konstruktion, Technik, Material und Raum auf das Wesentliche konzentriert werden“, beschreibt Dipl.-Ing. Markus Schmale, Architekt BDA, den Leitgedanken des neuen Stadtquartiers.

Energie, Freiraum und Wasser als Gesamtsystem
Die neue Einfachheit wird durch ein ambitioniertes Energiekonzept ergänzt. Photovoltaikanlagen und Luft-Wasser-Wärmepumpen bilden wesentliche Bestandteile der Energieversorgung; das Neubauvorhaben wird im Standard eines KfW-Effizienzhauses 40 NH realisiert. Ein wichtiger Faktor ist dabei der Erhalt von alten Baumbeständen sowie eine Begrünung des Quartiers. „Für den Entwurf des neuen Standquartiers haben wir bestehende Bäume mit in die Planung einbezogen und in die Umgebung integriert“, erklärte Dipl.-Ing. Markus Schmale, Architekt BDA. Das Stadtquartier ist mit dem Gütesiegel „KlimaQuartier.NRW“ ausgezeichnet und wurde bereits nach den Kriterien der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) zertifiziert. Auch stadtplanerisch werden Gebäude und Freiraum als zusammenhängendes System gedacht. Graue, grüne und blaue Infrastruktur greifen ineinander: Gebäude und Wege werden mit Vegetationsflächen, Baumbestand und einem dezentralen Regenwassermanagement verbunden. So wird das Regenwasser in Zisternen gesammelt, auf dem Grundstück zurückgehalten und möglichst vor Ort versickert, anstatt unmittelbar in die Kanalisation eingeleitet zu werden. Das Wasser kann zugleich zur Bewässerung der Vegetation genutzt werden und unterstützt damit den langfristigen Erhalt des Baumbestands.
Ein Zuhause zum Wohlfühlen
Im Anschluss an die Baustellenbesichtigung kam das Team in der L’Osteria Dormagen zusammen. Das gemeinsame Essen bot Gelegenheit, die Eindrücke der Führung zu vertiefen.

Das Stadtquartier Dormagen-Horrem steht für einen Wohnungsbau, der Effizienz und Suffizienz, Wirtschaftlichkeit und architektonischen Anspruch sowie Gebäude- und Quartiersplanung miteinander verbindet. „Das Stadtquartier Dormagen-Horrem soll im Einklang mit der Natur stehen, nicht nur aus klima- und umweltfreundlichen Gesichtspunkten, sondern auch, um ein Zuhause zum Wohlfühlen zu schaffen“, betont Markus Schmale.
Zu dem Artikel „Feierliche Grundsteinlegung für 126 neue Wohnungen in Dormagen“:
Weitere Informationen zu dem Großprojekt „Stadtquartier Dormagen-Horrem“:
Zu der Website des Stadtquartiers Dormagen-Horrem:
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